← Zurück zu Charlemagne auf der Karte
Burgund · Côte de Beaune · Weiß

Charlemagne — Terroir, Böden & Rebsorten

Charlemagne ist ein Geister-Grand-Cru. Die Appellation besteht tatsächlich — Dekret 1937, aktuelles Lastenheft, verpflichtendes „Grand Cru“ auf dem Etikett —, ist aber kaum je im Keller zu finden. Ihre Parzellen Le Charlemagne und En Charlemagne am Corton-Hügel dürfen auch das viel bekanntere Corton-Charlemagne beanspruchen: Fast alle Winzer wählen dieses. Ergebnis: sieben als Charlemagne beanspruchte Hektoliter laut BIVB 2008, etwa drei Fässer.

Eine Appellation auf dem Papier, nicht im Regal

Von den drei Grands Crus des Corton-Hügels wird Charlemagne mit Abstand am seltensten verwendet. Dennoch gilt ein aktuelles Lastenheft mit denselben Pflichten wie bei den Nachbarn, bis zur Angabe „Grand Cru“ unter dem Namen in mindestens zwei Dritteln dessen Schriftgröße. Fast sämtliche berechtigten Winzer beanspruchen aber das verständlichere und am Markt unvergleichlich gesuchtere Corton-Charlemagne.

Die Größenordnung sagt alles: Laut BIVB 2008 nur 0,28 Hektar Charlemagne in Produktion für insgesamt 7 Hektoliter — etwa drei Fässer. Im selben Jahr beanspruchte Corton-Charlemagne 52,44 Hektar und 2 237 Hektoliter. Ein Verhältnis von eins zu dreihundert. Die französische Wikipedia schreibt sogar, die Appellation werde „nicht mehr beansprucht“; eine Vereinfachung, da manche Güter weiter so abfüllen, die aber das Ausmaß zeigt.

Warum die Appellation noch besteht

Die Antwort liegt im Vergleich der fast identischen Lastenhefte. Gleiches geografisches Gebiet — Aloxe-Corton, Ladoix-Serrigny und Pernand-Vergelesses. Gleiche Rebsorten: Chardonnay als Hauptsorte, Pinot blanc als Nebenrebsorte bis 10 % des Bestands und 30 % des Verschnitts, Aligoté übergangsweise geduldet. Mindestens 9 000 Stöcke je Hektar, Bewässerungs-, kontinuierliches Pressen- und Holzstückverbot, Mindestzuckergehalt und mindestens 12 % natürlicher Alkohol: kein Unterschied. In beiden Fällen Grundertrag 40 und absolute Obergrenze 54 hl/ha. Ebenso Ausbau bis 15. Juni und Vermarktung nach 30. Juni des Folgejahrs.

Der einzige wirkliche Unterschied ist das am 20. September 1984 vom INAO-Nationalkomitee genehmigte, im Rathaus hinterlegte Parzellengebiet: Charlemagne ist viel enger auf die Climats mit dem Kaisernamen begrenzt. Jede Charlemagne-Parzelle ist daher auch Corton-Charlemagne-berechtigt, umgekehrt nicht. Bei zwei Etiketten für denselben Wein wählt der Erzeuger rational das verkaufsstärkere. So überlebt die Appellation rechtlich als nie aufgehobenes historisches Recht ohne kommerzielle Existenz — ein burgundischer Lehrfall.

Das Terroir: Le Charlemagne und En Charlemagne

Zwei Nachbarclimats tragen die Appellation: Le Charlemagne in Aloxe-Corton und En Charlemagne in Pernand-Vergelesses. Beide liegen oben am Corton-Hügel auf dem unter Bois de Corton anstehenden Kalk-Mergel-Band, dessen Tondecke die Erosion abtrug. Dieselben Climats liefern mit Les Pougets und Les Languettes den Hauptteil des Corton-Charlemagne.

Domaine de la Vougeraie mit Parzellen in beiden beschreibt sehr kalkhaltigen, kieseligen, schluffigen und steinigen Boden — die typische „weiße Erde“ oben am Hügel. Ihre Parzellen liegen zwischen 250 und 320 Metern; Le Charlemagne wird als steile Südparzelle, En Charlemagne als südwestgerichteter Oberhang beschrieben. Diese gegenüber den Ostseiten weniger großzügige Westausrichtung verzögert Reife und ergibt straffere, eher feuersteinige als sonnige Weine.

Der Name: belegte Schenkung, ergänzte Legende

Der Name ist historisch begründet. 775 schenkte Karl der Große den größten Teil des Corton-Hügels dem 731 von Sarazenen zerstörten Kollegiatstift Saint-Andoche in Saulieu. Domaine de la Vougeraie erinnert daran, dass die Weinberge über tausend Jahre bei dieser Gemeinschaft blieben. Ein „Clos le Charlemagne“ erscheint 1375 in einem Pachtvertrag des Saint-Andoche-Kapitels: ein mittelalterlich belegter Flurname.

Die meist erzählte Episode — des Kaisers Frau lasse Rot roden und Weiß pflanzen, um seinen Bart zu schonen — nennen enzyklopädische Quellen dagegen eine spätere Legende ohne zeitgenössisches Zeugnis. Zwei Fakten mahnen zur Vorsicht: André Julliens Topographie de tous les vignobles connus von 1816 nennt keinen Weißwein in Corton, und Aligoté blieb bis Ende des 19. Jahrhunderts die wichtigste weiße Hügelsorte. Der König Chardonnay ist daher kein karolingisches Erbe, sondern jüngere Entwicklung.

Die selten abgefüllten Charlemagne

Manche Güter erhalten die Appellation bewusst — ihr ganzer Reiz: Einen Charlemagne zu trinken heißt Wein mit seltenerem Etikett als Inhalt zu trinken. Domaine de la Vougeraie in Premeaux-Prissey veröffentlicht jahrgangsbezogene Datenblätter: Laut Website umfassten die Parzellen 0,2183 Hektar Le Charlemagne und 0,2772 En Charlemagne, mit Pflanzungen von 1954–55, 1957–58 und 1989–90, 10 000 Stöcken je Hektar, Guyot-Schnitt und Pferdepflügen.

Das Gut nennt biologischen Anbau von Le Charlemagne seit 1998, zertifiziert 1999, Biodynamie seit der Kampagne 2001; später gekauftes En Charlemagne wurde ab 2012 biologisch und biodynamisch. Diese Angaben aus dem veröffentlichten Gutsdatenblatt beschreiben einen veränderlichen Zustand: Flächen und Bewirtschaftung wechseln, ein Gut kann jederzeit dieselbe Ernte als Corton-Charlemagne statt Charlemagne beanspruchen.

Die Rebsorten von Charlemagne

Chardonnay →Hauptrebsorte, praktisch allein beansprucht — die seltenen abgefüllten Charlemagne sind 100 % Chardonnay
Pinot blancNebenrebsorte, höchstens 10 % des Bestands und 30 % des Verschnitts
Aligoté →übergangsweise geduldet, nur im gemischten Satz bestehender Weinberge

Bedeutende Crus & Weingüter

Le Charlemagne (climat d'Aloxe-Corton)En Charlemagne (climat de Pernand-Vergelesses)Domaine de la Vougeraie — l'un des rares à étiqueter en Charlemagne grand cru
Einen Charlemagne kaufen →
Quellen: Wikipédia FR — Charlemagne (AOC) · Wikipédia EN — Corton-Charlemagne (données BIVB 2008 sur l'usage de l'AOC Charlemagne) · INAO — cahier des charges de l'AOC « Charlemagne » (version 2.2 du 20/09/2010) · Domaine de la Vougeraie — fiche technique du Charlemagne grand cru