Eine Appellation, kein eigenständiges Terroir
Seit 1989 teilt sich das Weinbaugebiet von Saint-Émilion in zwei Appellationen auf, die sich auf demselben Gebiet überlagern: Saint-Émilion und Saint-Émilion Grand Cru. Letztere entspricht also keinem eigenen geografischen Bereich, sondern einem höheren Qualitätsanspruch, den der Erzeuger für eine bestimmte Cuvée geltend macht.
Ein und dasselbe Château kann so, je nach Parzellen und Jahrgängen, sowohl Saint-Émilion als auch Saint-Émilion Grand Cru erzeugen. Diese Appellation „Grand Cru" bildet die Grundlage der berühmten Klassifikation von Saint-Émilion.
Strengere Produktionsregeln
Die Grand-Cru-Appellation schreibt ein strengeres Lastenheft vor: stärker begrenzte Erträge, ein höherer Mindestalkoholgehalt und vor allem einen obligatorischen Ausbau vor der Vermarktung, verbunden mit einer strengeren Zulassungsprüfung. Ziel ist es, mehr Konzentration und Reife zu verlangen – Garanten für tiefgründigere und lagerfähigere Weine.
Das Terroir hingegen bleibt dasjenige von Saint-Émilion: das Plateau und die Hänge aus Asterienkalk, die Frische und Langlebigkeit verleihen, sowie die geschmeidigeren Kies- und Sandterrassen im Süden.
Die Klassifikation von Saint-Émilion
Innerhalb der Grand-Cru-Appellation ist die Klassifikation von Saint-Émilion angesiedelt, 1955 geschaffen und periodisch überarbeitet – eine Besonderheit in Bordeaux. Sie unterscheidet die Grands Crus Classés und, darüber, die Premiers Grands Crus Classés. Dieses lebendige, regelmäßig neu zur Debatte gestellte System hält den Wettstreit zwischen den großen Namen der Appellation wie Figeac, Pavie oder Canon aufrecht.
