Moulis, die kleine Appellation des inneren Médoc
Moulis-en-Médoc — oft schlicht Moulis genannt — ist die kleinste der Gemeindeappellationen des Médoc. Sie erstreckt sich rund um ihr Dorf, südlich von Listrac, etwas entfernt von der Gironde-Mündung, in jenem inneren Streifen des Weinbaugebiets, wo die Weine an Tiefe gewinnen, was sie an Weltläufigkeit einbüßen.
Bereits am 14. Mai 1938 per Dekret als Appellation d'Origine Contrôlée anerkannt, hat sie ihren Ruf nicht auf der Klassifizierung von 1855 aufgebaut — aus der sie fehlt —, sondern auf der Beständigkeit ihrer besten Weingüter, die zu Referenzen des Cru Bourgeois wurden.
Das Terroir: Kies und Ton
Der Weinberg von Moulis liegt auf kiesigen Kuppen, gebildet aus quartären Ablagerungen, die auf dem Sockel aus Sanden und Lehmen der Landes de Gascogne ruhen. Wie andernorts im Médoc vermischen diese Kiesböden — aus der Erosion der Pyrenäen und des Zentralmassivs stammend — Sand, Kies und etwas Ton.
Dieser Tonanteil, der in bestimmten Lagen stärker ausgeprägt ist als anderswo, verleiht Moulis seine besondere Dichte: Er hält das Wasser zurück und nährt tiefgründige, strukturierte Weine, während die besser drainierten Kieskuppen ihrerseits für Konzentration sorgen. Die Rebe, gezwungen, in die Tiefe zu wachsen, findet dort die Bedingungen für eine schöne Reife.
Rebsorten: Cabernet und Merlot zu gleichen Teilen
In Moulis bilden Cabernet Sauvignon und Merlot gemeinsam die große Mehrheit der Rebsortenzusammensetzung, zu annähernd gleichen Teilen — ein Gleichgewicht, das die Appellation von Nachbarn unterscheidet, die deutlicher vom Cabernet dominiert werden. Auf diesem Terroir erweist sich der Cabernet Sauvignon als sehr qualitätvoll: Er ergibt kraftvolle Weine mit dunkler Farbe und sehr großem Lagerpotenzial.
Der frühreifere Merlot bringt die Fülle und Rundheit, die diese Rotweine schon früher zugänglich machen, während Cabernet Franc und Petit Verdot die Cuvée in Nuancen ergänzen. Dieses Gleichgewicht ergibt zugleich stoffige und großzügige Weine.
Der Stil und die großen Cru Bourgeois
Der Moulis ist ein Wein mit Charakter: dicht, farbintensiv, ausgestattet mit einer tanninbetonten Struktur, die Geduld verlangt und die Lagerung belohnt. Die besten Flaschen lagern gerne ein bis zwei Jahrzehnte und begleiten dann rotes Fleisch, Lamm und Wild.
Die Appellation verdankt ihren Ruf einigen Weingütern, die zu Klassikern des Cru Bourgeois wurden — Château Chasse-Spleen, Château Poujeaux, Château Maucaillou, Château Biston-Brillette… —, die es oft mit benachbarten Cru Classé für einen Bruchteil des Preises aufnehmen. Genau darin liegt der ganze Reiz von Moulis für den neugierigen Liebhaber.
