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Burgund · Ganz Burgund · Rot, Weiß und Rosé (oder Clairet)

Bourgogne — Terroir, Böden & Rebsorten

Die Appellation Bourgogne ist das Fundament der gesamten burgundischen Pyramide: Sie reicht vom Yonne bis zum Beaujolais über fast vierhundert Gemeinden in vier Départements. Sie ist die weiteste Appellation der Region — und die am häufigsten missverstandene, denn sie umfasst vierzehn geografische Bezeichnungen (Hautes Côtes de Nuits, Côtes d’Auxerre, Côte d’Or, Épineuil …), die viele irrtümlich für eigenständige AOCs halten. Den „allgemeinen“ Bourgogne zu verstehen bedeutet, die gesamte Ordnung Burgunds zu verstehen.

Eine Appellation vom Yonne bis zum Beaujolais

Wenige französische Appellationen bedecken ein so weites Gebiet. Die AOC Bourgogne erstreckt sich über vier Départements — Yonne, Côte-d’Or, Saône-et-Loire und Rhône —, also 55 Gemeinden im Yonne, 91 in der Côte-d’Or, 154 in Saône-et-Loire und 85 im Rhône, letztere entsprechend dem Arrondissement Villefranche-sur-Saône, also dem Weinbaugebiet Beaujolais. Dieser Umfang ist nicht zufällig: Er übernimmt die schon im Gründungsdekret vom 31. Juli 1937 festgelegte Abgrenzung, die das „Weinbau-Burgund“ als diese drei Départements plus das Beaujolais-Arrondissement definierte.

Man muss sich daher von einer verbreiteten Vorstellung lösen: Allgemeiner Bourgogne ist kein Wein „von nirgendwo“ aus schlechten Ebenenparzellen. Das Appellationsgebiet umfasst auch alle als Gemeindeappellation klassifizierten Parzellen: Ein Winzer aus Gevrey oder Meursault kann durchaus eine Cuvée zu Bourgogne herabstufen. Zwischen einem Bourgogne vom Hangfuß der Côte de Beaune, einem aus dem Auxerrois und einem aus dem Mâconnais ist nur das Lastenheft wirklich gemeinsam.

Die Böden: ein Kalkfaden aus dem Jura von Norden nach Süden

Auf einer solchen Ausdehnung gibt es nicht ein Terroir, sondern eine Familie von Terroirs, alle Erben derselben langen Jura-Episode. Im Yonne stehen die Reben auf Kimmeridgium und Portlandium, Mergeln und Kalken aus einem warmen Meer vor rund 150 Millionen Jahren. In der Côte-d’Or geht es geologisch weiter zurück: Bajocium und Bathonium des mittleren Jura bilden die Kalkfelsbänder, während Oxfordium- und Callovium-Mergel die Hangfüße nähren. Weiter südlich zerfällt die Côte chalonnaise in kleine Kalkhügel, und das Mâconnais reiht Schollen aus Crinoidenkalk und Mergel aneinander.

Der große Unterschied zu den Gemeindeappellationen liegt weniger in der Gesteinsart als in der Hangposition. Als Premiers und Grands Crus klassifizierte Climats besetzen die Hangmitte, wo der Kalkschutt dünn und durchlässig ist; die AOC Bourgogne erhält häufiger die Hangfüße und tieferen, tonigeren, teilweise mit Kolluvien oder alten Schwemmsedimenten bedeckten Böden. Daher meist geschmeidigere, weichere, früher reifende Weine — außer wenn der Winzer hohe Parzellen oder an Dörfer grenzende Lagen bewirtschaftet, was alles verändert.

Vierzehn geografische Bezeichnungen — keine zusätzliche AOC

Diesen Punkt macht das Etikett unübersichtlich. Vierzehn Weinbaugebiete dürfen ihren Namen an den der Appellation anhängen: Bourgogne Chitry, Bourgogne Côte chalonnaise, Bourgogne Côte d’Auxerre, Bourgogne Côte d’Or, Bourgogne Côte Saint-Jacques, Bourgogne Côtes du Couchois, Bourgogne Coulanges-la-Vineuse, Bourgogne Épineuil, Bourgogne Hautes Côtes de Beaune, Bourgogne Hautes Côtes de Nuits, Bourgogne La Chapelle Notre-Dame, Bourgogne Le Chapitre, Bourgogne Montrecul und Bourgogne Tonnerre. Es sind geografische Bezeichnungen innerhalb der AOC Bourgogne, keine eigenständigen Appellationen: Der Wein bleibt rechtlich ein Bourgogne unter demselben Lastenheft, mit verschärften Erzeugungsbedingungen in einem engeren Gebiet.

Ihre Geschichte ist die einer schrittweisen Anerkennung. Hautes Côtes de Beaune und Hautes Côtes de Nuits erscheinen 1961; Côte chalonnaise 1990; eine Gruppe von Bezeichnungen im Yonne und um Dijon 1993 (Côte d’Auxerre, Chitry, Coulanges-la-Vineuse, Épineuil, La Chapelle Notre-Dame in Ladoix-Serrigny, Montrecul in Dijon, Le Chapitre in Chenôve); Côte Saint-Jacques, ein einziger Hang in Joigny, 1996; Côtes du Couchois 2000; Tonnerre 2006 und schließlich Côte d’Or 2017. Manche Gebiete haben sich letztlich verselbstständigt: Irancy, lange nur eine Bourgogne-Bezeichnung, wurde 1999 eine vollwertige AOC.

Die Angabe „Bourgogne gamay“, ein Sonderfall

In Rot beruht die Appellation auf Pinot noir. Das Lastenheft duldet jedoch auf 15 % des Verschnitts begrenzte Nebenrebsorten — Chardonnay, Pinot blanc, Pinot gris und César, letzterer allein im Département Yonne auf 10 % begrenzt. Gamay bildet eine Ausnahme: Er ist bis zu 30 % zugelassen, aber nur aus den Gebieten der zehn Beaujolais-Crus.

Aus dieser Öffnung entstand die seit der Ernte 2011 geltende Angabe „Gamay“. Das Lastenheft ist eindeutig: Dem Appellationsnamen muss bei Weinen aus den abgegrenzten Parzellengebieten der zehn Beaujolais-Crus — Brouilly, Chénas, Chiroubles, Côtes de Brouilly, Fleurie, Juliénas, Morgon, Moulin-à-Vent, Régnié und Saint-Amour — mit mindestens 85 % Gamay im Verschnitt, praktisch durch Pinot noir ergänzt, zwingend „Gamay“ folgen. Gamay aus den Gebieten Beaujolais und Beaujolais-Villages ist ausgeschlossen, und die Angabe muss unter dem Appellationsnamen in gleich großen Buchstaben stehen. Dies ist die moderne Fortsetzung einer alten Grenze: Seit den Gerichtsurteilen der Zwischenkriegszeit war „Bourgogne“ Pinot-noir- und Chardonnay-Weinen vorbehalten, Gamay dagegen Passe-tout-grains und „Bourgogne grand ordinaire“, heute Coteaux bourguignons.

Weinstil und Erträge

Die erlaubten Erträge zählen zu den höchsten Burgunds: 60 hl/ha in Rot und Rosé, 68 hl/ha in Weiß, mit absoluten Obergrenzen von 69 und 77 hl/ha. 2023 erzeugte die Appellation ohne geografische Bezeichnungen 102 577 hl Rotwein, 83 131 hl Weißwein und 1 570 hl Rosé oder Clairet auf 1 748 ha Rot, 1 326 ha Weiß und 26,5 ha Rosé. Weiß, lange in der Minderheit, hat spektakulär zugelegt: 2008 waren es nur 846 ha.

Roter Bourgogne ist ein Pinot noir für unmittelbaren Genuss: helles Rubin, Nase von Kirsche, Himbeere und roter Johannisbeere, fruchtiger Gaumen mit feinen Tanninen. Bei etwa 14–16 °C zu Jambon persillé, Wurstwaren oder Geflügel servieren und innerhalb von zwei bis sechs Jahren trinken. In Weiß ergibt Chardonnay einen geschmeidigen, aromatischen, zugleich zitronigen und buttrigen Wein, zwischen 10 und 12 °C zu Schnecken, Flussfisch oder jungem Comté serviert und innerhalb von zwei bis fünf Jahren zu trinken. Doch entscheidend bleibt das Lesen des Etiketts: Zwischen einem in großen Mengen erzeugten Handels-Bourgogne und einem parzellenbezogenen Bourgogne eines großen Côte-Weinguts liegt ein gewaltiger Unterschied — und gerade hier finden sich die besten Angebote der Region.

Eine Geschichte der Abgrenzung

Die Appellation Bourgogne entstand aus dem Kampf gegen Betrug. Das Gesetz vom 6. Mai 1919 zum Schutz der Ursprungsbezeichnungen verpflichtet Erzeuger und Händler, Weine nach ihrer tatsächlichen Herkunft zu benennen; ein Gerichtsurteil der Zwischenkriegszeit beschränkt daraufhin den Namen „Bourgogne“ auf Pinot-noir- und Chardonnay-Weine. Zwischen 1936 und 1938 werden die ersten fünfzehn Gemeindeappellationen geschaffen, und das Dekret vom 31. Juli 1937 gibt der AOC Bourgogne ihr erstes Lastenheft mit einem auf 45 hl/ha im Fünfjahresdurchschnitt begrenzten Ertrag.

Danach folgt eine Reihe von Anpassungen: Senkung des Ertrags auf 40 hl/ha 1943, im selben Jahr Schaffung von Bourgogne Mousseux für Schaumweine, dann die lange Reihe geografischer Bezeichnungen von 1961 bis 2017. Dieser letzte Schritt — die Anerkennung von „Bourgogne Côte d’Or“ 2017 — zeigt die grundlegende Logik: Innerhalb einer bewusst weit gefassten Appellation wollten die Winzer unablässig genauer sagen, woher ihr Wein stammt.

Die Rebsorten von Bourgogne

Pinot noir →Hauptrebsorte der Rot- und Roséweine — Frucht, Finesse, geschmeidige Tannine
Chardonnay →Hauptrebsorte der Weißweine — Rundheit, Zitrusfrüchte, zitroniger Grundton
Pinot blancin Weiß zugelassene Hauptrebsorte, heute sehr selten
Pinot gris →Nebenrebsorte sowohl in Rot als auch in Weiß
César →historische Nebenrebsorte, auf 10 % und allein das Yonne begrenzt
Gamay →rote Nebenrebsorte, auf 30 % begrenzt und den Gebieten der zehn Beaujolais-Crus vorbehalten

Die Weine aus Bourgogne auf 1001caves

Ausführliche Steckbriefe: die Cuvée, das Weingut, das Trinkfenster und die von Sammlern angebotenen Flaschen.

Camus Père et Fils - Bourgogne Pinot Noir 2015Bourgogne→Château de Meursault - Clos du Château 2009Bourgogne→Coche-Dury - Bourgogne Chardonnay 2009Bourgogne→Coche-Dury - Bourgogne Pinot Noir 2012Bourgogne→Coche-Dury - Bourgogne Pinot Noir 2017Bourgogne→Domaine Boris Champy - Montagne 382 2023Bourgogne Hautes-Côtes de Beaune→Domaine Boris Champy - Petit Aigle, Chardonnay 2024Bourgogne→Etienne Sauzet - Jardin du Calvaire 2020Bourgogne Hautes-Côtes de Beaune→Francois Mikulski - Bourgogne, Côte d'Or Chardonnay 2023Bourgogne→Maison Skyaasen - Bourgogne Côte d’Or 2024Bourgogne Côte d’Or→Pierre Labet - Bourgogne Pinot Noir Vieilles Vignes 2020Bourgogne→

Bedeutende Crus & Weingüter

Bourgogne Hautes Côtes de NuitsBourgogne Hautes Côtes de BeauneBourgogne Côte d'OrBourgogne Côte ChalonnaiseBourgogne Côtes d'AuxerreBourgogne ÉpineuilBourgogne TonnerreBourgogne Côte Saint-Jacques (Joigny)Bourgogne Côtes du CouchoisBourgogne Coulanges-la-VineuseBourgogne ChitryBourgogne Le Chapitre (Chenôve)Bourgogne Montrecul (Dijon)Bourgogne La Chapelle Notre-Dame (Ladoix-Serrigny)
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Quellen: Wikipédia — Bourgogne (AOC) · INAO — cahier des charges de l'AOC Bourgogne · Réussir Vigne — « Le nord beaujolais obligé d'utiliser la mention bourgogne gamay » : l'arrêté d'octobre 2017 et la décision du Conseil d'État du 27 décembre 2019